„Welcher“ als Relativpronomen

Wenn ein Satz schwerfällig und holprig klingt, sind oft nur Kleinigkeiten dafür verantwortlich. So kann man etwa mit der Präposition seitens jeden Satz in umständliches Amtsstubendeutsch verwandeln. Eine ähnliche Wirkung haben die Relativpronomen welcher, welche, welches.

Relativsätze leitet man normalerweise mit den Relativpronomen der, die oder das ein:

Der Hund, der mir die Wurst gestohlen hat, gehört meinem Nachbarn.

Geradezu inflationär wird jedoch heute welcher, welche oder welches  verwendet:

Das Haus, welches mein Bruder gekauft hat, hat keinen Keller.

Falsch ist das nicht, und in der Schweiz ist das normaler Sprachgebrauch. Doch im deutschen Standarddeutschen klingt das schwerfällig, unsouverän und manchmal sogar ungewollt komisch. Oft findet man solche Formulierungen in akademischen Arbeiten. Die Autoren versuchen auf diese Weise, besonders wissenschaftlich zu klingen. Doch ein solcher Versuch ist meistens zum Scheitern verurteilt: Denn guter wissenschaftlicher Stil ist nicht kompliziert und übertrieben formell, sondern einfach, klar und verständlich.

Als Relativpronomen verwendet man also besser der, die oder das. Allerdings gibt es eine Ausnahme, bei der auch welcher erlaubt ist:

Der Hund, der der Frau die Wurst gestohlen hat, heißt Harro.

Hier folgt auf das Relativpronomen ein gleichlautender bestimmter Artikel: der der. Um diese Wiederholung zu vermeiden, darf man hier auch welcher der verwenden. Dennoch: Das Relativpronomen welcher  klingt so unbeholfen, dass man es besser für alle Zeiten aus seinem aktiven Wortschatz streicht.